LOKALBAHN RETZ - DROSENDORF

 

Die Stadt Drosendorf an der Thaya im Waldviertel bemühte sich schon früh um einen Bahnanschluss und es kam auch zu einigen vorkonzessionierten Streckenvarianten, von denen jedoch keine zur Ausführung kam.

 

* 1. Juli 1897: eine normalspurige Lokalbahn von Frain an der Thaya – Drosendorf – Raabs

* 28. Mai 1900: eine elektrische Kleinbahn Dobersberg – Karlstein – Drosendorf

 

Bau und Betrieb

 

Am 1. Februar 1901 wurde eine weitere Vorkonzession für eine normal- oder schmalspurige Lokalbahn mit der Route Retz – Weitersfeld – Drosendorf erteilt. Die Trassenrevision wurde am 7. und 8. Oktober 1901 abgehalten.

 

Der Streckenabschnitt LangauDrosendorf sollte ursprünglich über Wolfsbach geführt werden und wäre um vier Kilometer kürzer gewesen. Dieses Vorhaben wurde aber bei der Trassenrevision verworfen.

 

Nach Klärung der letzten finanziellen Details wurde am 27. Juli 1908 der normalspurigen Lokalbahn RetzDrosendorf die Konzession erteilt. Vorgeschrieben war darin die Fertigstellung der Bahn innerhalb der beiden nächsten Jahre.

 

Einwände der Anrainergemeinden machten oftmalige Begehungen der geplanten Strecke notwendig.

 

Einer der Diskussionspunkte war die Art des Anschlusses an die Nordwestbahn in Retz. Ursprünglich war geplant gewesen, gegenüber des bereits bestehenden Bahnhofsgebäudes der Nordwestbahn einen eigenen neuen Lokalbahnhof zu errichten. Dies hätte zur Folge gehabt, dass das Gleis der nach Drosendorf führenden Bahn die nach Znaim führende Strecke gekreuzt hätte. Schließlich einigte man sich auf die heute noch bestehende Ausführung der Abzweigung.

 

Die Baubewilligung für den Streckenbereich zwischen Retz und Drosendorf wurde am 23. Oktober 1908 erteilt und am 1. Februar 1909 folgte die für den eigentlichen Bahnhofsbereich in Retz. Noch im Oktober 1908 wurde mit dem Bau begonnen.

 

Die Erprobung der Brücken erfolgte am 4. und 5. August 1910 und die technisch polizeiliche Streckenprüfung am 16. August 1910. Der planmäßige Betrieb auf der neuen Strecke wurde am 21. Oktober 1910 aufgenommen, den Betrieb führten die Niederösterreichischen Landesbahnen.

 

Nachdem die Statuten der „Lokalbahn Retz – Drosendorf“ am 3. April 1912 genehmigt und die konstituierende Generalversammlung der neuen Gesellschaft erfolgt war, erfolgte am 13. August 1912 die Eintragung ins Handelsregister. Betriebsführende Gesellschaft waren von Beginn an die Niederösterreichischen Landesbahnen.

 

Ab dem 1. Mai 1916 gab es in der Nähe der Wallfahrtskirche Maria Schnee zwischen Zissersdorf und Drosendorf eine Haltestelle, die nur an bestimmten Tagen eingehalten wurde und 1938 wieder aufgelassen wurde.

 

Des guten Geschäftsganges in den Jahren 1912 bis 1918 waren die Betriebsüberschüsse noch so hoch, dass keine Staatsgarantien in Anspruch genommen werden mussten. Aber auch die kleine Nebenbahn bekam die wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit zu spüren.

 

Nachdem die Niederösterreichischen Landesbahnen wegen der zahlreichen Verluste schreibenden Bahnlinien ruiniert war, wurde am 15. Juli 1922 zwischen dem Staat Österreich und den Ländern Wien und Niederösterreich ein Vertrag geschlossen, der der Republik die Pacht aller Strecken der NÖ Landesbahnen rückwirkend ab 1. Jänner 1921 ermöglichte.

 

Die Haltestelle Hölzelmühle zwischen Retz und Hofern wurde am 8. November 1927 aufgelassen.

 

Mit 1. Jänner 1935 übernahm der Staat die Lokalbahn Retz – Drosendorf endgültig, die Liquidation der Aktiengesellschaft war am 20. Februar 1936 abgeschlossen.

 

Zwischen 22. April 1932 und 3. Oktober 1933 war die Haltestelle Johannesthal zwischen Geras-Kottaun und Zissersdorf aufgelassen. Am 28. Mai 1995 wurde sie endgültig stillgelegt.

 

Nach einer Probefahrt und einer technisch-polizeilichen Überprüfung wurde 1933 eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf 50 km/h genehmigt. Am 6. und 7. Oktober 1933 fand die nächste Überprüfung statt mit dem Ziel, die Geschwindigkeit für den Einsatz von Leichttriebwagen in einigen Streckenabschnitten auf 70 km/h zu erhöhen.

 

Diese Erhöhung der höchstzulässigen Fahrgeschwindigkeit erforderte allerdings Investitionen in die Herstellung von größeren Sichträumen und technischer Sicherungsanlagen bei Straßenkreuzungen.

 

In Zusammenhang mit dem Bau der Bahnstrecke entdeckte man zwischen Langau und Safov in Mähren ein Braunkohlenlager, welches aber erst nach dem 2. Weltkrieg abgebaut wurde und während dieser Zeit das Frachtaufkommen wesentlich steigerte.

 

Zur Zeit des Eisernen Vorhanges, als es der Nordwestbahn nicht möglich war, die Strecke nach Znaim  zu befahren, war Drosendorf praktisch der nördliche Kopfbahnhof der Österreichischen Nordwestbahn, da die ÖBB zahlreiche Züge ab dem Praterstern in Wien (später Wien-Nord) bis Drosendorf durchgängig führten.

 

Am 10. Juni 2001 wurden der Personenverkehr auf der gesamten Strecke und der Frachtverkehr zwischen Weitersfeld und Drosendorf eingestellt. Die Strecke wird seitdem als Nostalgiebahn unter dem Namen „Reblaus-Express“ während der warmen Jahreszeit an den Wochenenden weitergeführt.

 

Literatur

 

Peter Wegenstein: „Die Nordwestbahnstrecke“ (Verlag Peter Pospischil, Wien)

 

 Ich erlaube mir, diese Geschichte auch in WIKIPEDIA zu veröffentlichen (GuentherZ)

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