Praděd - Altvater

Bis hierher und nicht weiter durften wir mit dem Auto, dann ging es per Pedes weiter.

To here and not wide might we by car, then it went on on foot.

Der Altvater, 1490 Meter über dem Meere. Hier steht man auf dem höchsten Punkte von Mähren und Schlesien, des nördlichen Österreichreichs und des östlichen Europas. Der Scheitel des Altvaters ist eine flache, mit niederem Gras bewachsene Kuppe und man kann erst dann eine Fernsicht genießen, wenn man den Saum des Scheitels umgeht. Flüchtig eilt von hier aus der Blick über das Wellenmeer von Bergkuppen in allen erdenklichen Formen, über Abgründe, Schluchten und Täler, über meilenweite dunkle Wälder und über bebaute Anhöhen, Ebenen, industriereiche Städte und Ortschaften.

Immer weiter schweift das Auge durch den ungeheuren Raum, bis in nebelgrauer Ferne alles mit dem Horizont verschwimmt. Die Reinheit und Frische der leichteren verdünnten Atmosphäre erquickt Geist und Körper, kühle Lüfte umsäuseln uns, oder der Sturm jagt wie zum Spiele der Phantasie Nebelmassen in abenteuerlichen Gestalten und Gruppierungen an uns vorüber.

Der erste flüchtige Blick von der Altvaterkuppe bringt auch eine Enttäuschung. Wir stehen auf dem höchsten Punkt des Altvatergebirges und doch scheinen die benachbarten Höhen und Kuppen, wie die Hochschar, Kepernik, Peterstein und die Hohe Heide höher zu sein; das ist aber nur Täuschung, die bei längerem Verweilen auf dem Plateau der Altvaterkuppe schwindet.

Eine Linie von dem Altvater zu den Harichsteinen bei Freiwaldau gezogen liegt genau in der Richtung des Meridians.

Gegen Norden entwickelt sich das Bieletal mit den Ortschaften Waldenburg, Ober- und Nieder-Thomasdorf, Adelsdorf, Buchelsdorf, der Stadt Freiwaldau mit Gräfenberg und der Gold- und Nesselkoppe als Abschlusspunkte. Durch das Bieletal mit seiner meilenlangen Reihe von Ortschaften wird das Landschaftsbild in zwei gänzlich voneinander verschiedene und charakterisierte Teile getrennt.

Zum östlichen Teil erblicken wir die dunklen waldigen Kuppen und Kämme des mächtigen hohen Urlichzuges, in welchem sich die Bärenfangkuppe, die Urlichkuppe und die Abdachungen zum Schwarzoppatal deutlich abheben.

Ein freundlicheres, weniger wildromantisches Bild zeigt der westliche Gebirgsteil, wo das Vorland vom Kamme der Hochschar gegen die Flusstäler der Biele und Staritz allmählich abfällt; darüber hinaus erscheint ins weißgraue verschwimmender Ferne die schlesische Ebene, aus welcher sich noch deutlich die Stadt Neisse abhebt.

Nach Osten schweift der Blick über die Mooslehne, den Grätz- und Leierberg, Holzberg, Ölberg und Hohenberg nach den Städten Engelsberg und Freudenthal mit ihren Umgebungen; deutlich sieht man die Annakirche bei Engelsberg und die Köhlerbergkirche bei Freudenthal, weiter östlich die Stadt Jägerndorf mit der Burgbergkirche, und bei klarer Luft und heiterem Himmel Troppau; ganz im Hintergrunde die Kämme und Berghäupter der Beskiden oder Nordkarpaten.

Gegen Süden ist der Fernblick beschränkt, indem sich der Zug der Hohen Heide mit dem Peterstein vorlagert und die Aussicht in die mährische Ebene abschneidet.

Gegen Westen erblickt man vorne angelagert die Wiesenberger Heide mit dem Ameisenhübel (Bründelberg), Heidstein und Bärenherd; weiterhin das industriereiche Teßtal mit den Ortschaften Reutenhau, Wiesenberg, Groß-Ullersdorf, Zöptau und südwestlich Mähr.-Schönberg. Im ferneren Westen erheben sich die Kuppen und Kämme des Altvaterwaldes; im Nordwesten Goldenstein und Mähr.-Altstadt, das Glatzer Schneegebirge mit dem Spieglitzer oder Glatzer Schneeberg, mehr gegen Norden das Reichensteiner Gebirge, auch Fichtlich oder Hundsrücken genannt, und bei sehr klarem Wetter erblickt man nordwestlich die dunklen Umrisse der Riesenkoppe.

Vom Hochschar, parallel der blauroten Wegmarkierung, geht die mähr.-schlesische Landesgrenze über die Altvaterkuppe, den Peterstein, die Hohe Heide, dann der Mohra entlang.

Ein dreiseitiger Grenzstein mit der Jahreszahl 1721 bezeichnet die Stelle, wo die drei Herrschaften Freudenthal, Neisse und Wiesenberg zusammenstoßen. Die Nordseite zeigt in erhabener Arbeit Bischofshut und Krummstab, darunter die Buchstaben "E. W. 1721", d. h. Episcopus Wratislaviensis und bedeutet: Besitz des Breslauer Bistums. Die Südostseite enthält ein deutsches Kreuz mit vier Lilienzweigen, darunter "F. L.", d. h. Franz Ludwig, der damalige Hoch- und Deutschmeister, als Besitzer der Herrschaft Freudenthal. Die Südwestseite zeigt einen Löwen als Wappen der bis hierher reichenden Herrschaft Wiesenberg in Mähren. Wenige Minuten Weges nördlich vom Grenzsteinbefinden sich die sogenannten "Tafelsteine", niedere, aus der Erde hervorragende Gneismassen mit platten Oberflächen; der Sage nach sollen die Besitzer der drei Herrschaften nach der vollzogenen Grenzbestimmung auf diesen Steinen ein gemeinsames Mahl gehalten haben. Gegen Süden befindet sich eine Steingruppe mit einer Widmungstafel und auf dem höchsten Punkte des Scheitels ein Holzpfahl mit der Wegmarkierungstafel; unter der Altvaterkuppe nördlich, am Weg e zur Schweizerei , ist eine steinerne Schutzhütte.

Auf dem Altvater wird im Jahre 1903 vom mähr.-schlesischen Sudetengebirgs-Verein ein massiver Aussichtsturm (Habsburgwarte) erbaut.

Vom Altvater führen folgende markierte Wege: Gegen Osten über den Oppafall nach Karlsbrunn; Gehzeit 2 1/2 Stunde. Die schwarze Spitze zeigt nach Karlsbrunn. Gegen Südost über die Schäferei nach Klein-Mohrau. Gehzeit 3 Stunden: Die weiße Spitze zeigt nach Klein-Mohrau. Nach Südwest über den Peterstein, Hohe Heide, Hirschbrunnen, Wirtshaus "Berggeist" nach Zöptau. Durch den Steingraben nach Winkelsdorf. Gehzeit 3 Stunden. Die weiße Spitze zeigt nach Winkelsdorf. Nach Norden zur Schweizerei. Gehzeit 3/4 Stunden. Die blaue Spitze zeigt nach der Schweizerei.

Die rote Spitze der Markierung zeigt immer auf den Altvater.

Kursiver Text aus:

Josef Lowag: Illustrierter Führer durch das Sudetengebirge, dessen Kurorte, Heilanstalten und Sommerfrischen mit besonderer Berücksichtigung des Bades Karlsbrunn,

W. Krommer, Verlagsbuchhandlung, Freudenthal, 1903

 

Auf den Bäumen und auf dem Gras hing dick der Raureif - und das im September.

On the trees and on the grass the rime hanged thickly - and that in September.

Das Ziel unserer Träume: Der Gipfel des Praděd - Altvater mit der Sendestation, Aussichtswarte und dem Bergrestaurant. Vom Parkplatz aus schien es, als würde sich der Nebel zumindest ein wenig zu heben. Je weiter bergwärts wir auf der asphaltierten Straße zogen, umso dicker wurde die Nebelsuppe und der Wind blies uns kräftig durch. Oben auf dem Gipfel waren wir froh, das riesige Gebäude überhaupt zu sehen.

Das Mittagessen im Bergrestaurant war gut, der Tee mit Rum tat gut.

Nur Bärli, unser wackerer Schutzhund, erhielt ein Lokalverbot - aus Prinzipsgründen: Hundeverbot.

Er verbrachte die Mittagspause im großen Vorraum, zwischen zwei Getränkeautomaten angeleint an einem Heizungsrohr neben einem Papierkorb. Aber er ertrug diese Demütigung mit stoischer Ruhe.

Eine deutsche Touristengruppe, die ein oder zwei Tage nach uns auf den Praděd - Altvater wollte, musste ihr Vorhaben aufgeben. Der Regen im Tal hatte sich hier als Schnee niedergeschlagen.

The destination of our dreams: The peak of the Praděd - Altvater with the master station, outlook observatory and the mountain restaurant. From the parking lot it seemed to lift as if the fog would become at least a little bit. The wider to the hill we moved on the asphalted street, the fog soup became the thicker and the wind blew out to us strongly. Up on the peak we were glad to see the gigantic building anyway.

The lunch in the mountain restaurant was good, the tea with rum did well.

Only Baerli, our brave protection dog, received a restaurant prohibition - for principle reasons: Dog prohibition.

He spent the lunch hour in the big vestibule, between two drink automats bound with his lead at a heating tube next to a waste-paper basket. But he stood this humiliation with stoic rest.

A German group of tourists, that one or two days later onto the Praděd - Altvater wanted,  had to give up their project. The rain in the valley had suppressed here as snow.

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