Bruntál - Freudenthal - Stadtrundgang

Seehöhe 547 Meter, Einwohnerzahl 8000

 

Industrie: Webwarenerzeugung, Kotzenfabrikation, Flachsgarnspinnerei, 2 Bier-Brauereien und 1 Branntweinbrennerei.

 

Schulen: Freudenthal besitzt eine fünfklassige Knabenvolksschule, eine dreiklassige Knabenbürgerschule, deren Absolventen das Recht der Aufnahmsprüfung in die 4. Klasse einer Realschule besitzen; eine fünfklassige Volks- und eine dreiklassige Mädchenbürgerschule des hohen deutschen Ritterordens; eine k.k. Fachschule für Weberei und eine Privatmusikschule. Die Wiedereröffnung des hier bestandenen Gymnasiums darf wohl in Bälde erwartet werden.

 

Auch zahlreiche private und öffentliche Wohltätigkeitsanstalten sind vorhanden.

 

Verkehr: Station der Staatsbahn (mährisch-schlesische Zentralbahn) Olmütz-Troppau, Ausgangsstation de Staatsbahnstrecke Freudenthal – Klein-Mohrau; k.k. Post-, Telegraphen- und Telephon-Station.

 

Behörden: k.k. Bezirkshauptmannschaft, k.k. Bezirksgericht, k.k. Hauptsteueramt, k.k. Eichamt, k.k. Gendarmeriebezirkswachposten, k.k. Finanzwachtposten.

 

Hotels und Gasthöfe: Hotel „zum goldenen Stern“, Gasthof „zur goldenen Birne“ (Hotel Schindler), Hotel „zum goldenen Hirschen“, Gasthof „zur Spitz“ beim Bahnhof, Gasthof „zum weißen Roß“.

 

Café: Café Pratzer, Mann-Thiel.

 

Restaurationen: „Zur Bierquelle“, „Gutsherrliche Bierhalle“, Meiers „Altdeutsche Bierstube“ (Sternberger Bierhalle), Hannsdorfer Bierhalle, Restauration im „Antons-Park“, „Zur Blumenau“ (Schießstätte), „Franz Josef Jubiläumsheim“ mit Theatersaal, Weynar

 

Weinstuben: Ehler, Dermer, Wurst und Schwarz

 

Badeanstalt: Dampf- und Wannenbäder in der Kindergartengasse.

 

Markierte Wege: Nach Kunau schwarz-gelb, gelb Kumau. Nach Neu-Erbersdorf (Bahnhof) rot-gelb, gelb Neu-Erbersdorf. (Diese Markierung beginnt im Nachbarorte Spillendorf.) Nach Neurode schwarz-rot, rot Neurode. Beginn der Markierung hinter dem Eisenbahnviadukt auf der nach Messendorf führenden Straße.

 

Der Hauptplatz von Bruntál (Freudenthal), der offenbar nie so hieß - heute heißt er offiziell: Friedensplatz und im Buch von Josef Lowag wird er als Ringplatz bezeichnet.

The main place of Bruntál (Freudenthal), the apparently never so was called - today he calls official: Friedensplatz (Peace place) and in the book of Josef Lowag he is designated as Ringplatz (ring place).

 

Geschichtliches: Freudenthal 547 Meter, Bezirksstadt, alte Bergstadt am Schwarzbach, mit einem Hoch- und Deutschmeisterischen Schloss gleichen Namens, in welchen sich eine Sammlung von Altertümern nebst einem Urkundenarchiv befindet.

 

Freudenthal wurde früher auch Brunthal genannt und war im Mittelalter schon eine wohlhabende, gewerbefleißige Stadt, in deren Umgebung der Bergbau auf edle und unedle Metalle blühte. Durch die Mongolen wurde die Stadt im Jahr 1241 vom Grunde aus zerstört; ebenso litt sie auch arg im 30jährigen Kriege durch die sie belangernden Schweden unter Torstensohn, und durch die Truppendurchzüge in den schlesischen Kriegen.

 

Ursprünglich gehörte Freudenthal zu Mähren, erst als König Ottokar II. von Böhmen das Fürstentum Troppau stiftete, wurde Freudenthal und dessen Gebiet diesem einverleibt. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ging Freudenthal in den Besitz der gräflichen Familie von Würben über, welche die Stadt und Herrschaft bis zum Jahr 1621besaß, in welchem Jahre der damalige Besitze Heinrich von Würben als Anhänger des Protestantismus und des Pfalzgrafen Friedrich nach der Schlacht am weißen Berge geächtet und seiner Güter verlustig erklärt wurde, welche in den Besitz des Staates übergingen. Heinrich von Würben und sein Bruder Hans wurden nebst noch zehn Adeligen des Landes zum Tode verurteilt; Heinrich entfloh nach Ungarn, Hans wurde enthauptet.

 

Der hohe deutsche Ritterorden erwarb die Herrschaft Freudenthal um den Kaufpreis von 200.000 Gulden vom Kaiser Ferdinand II. laut Kaufurkunde vom 10. Juli 1621 als eine Kameral-Kommende des hohen deutschen Ritterordens, in dessen Besitz sich die Herrschaft bis heute noch befindet.

 

Im Jahre 1633 entvölkerte die Pest die Stadt Freudenthal und an der Stelle, wo die an der Pest Gestorbenen beerdigt wurden, errichtete man das sogenannte, heute noch bestehende „Pestkreuz“.

 

Die bei Freudenthal bestandenen Eisenhüttenwerke wurden schon im Anfange des 16. Jahrhunderts wegen Abnahme der Waldungen weiter ins Gebirge nach Klein-Mohrau und später nach Ludwigsthal verlegt; in Klein-Mohrau wurden schon in den Jahren von 1642 bis 1660 eiserne Kanonen und Schanzzeug für die kaiserlichen Zeughäuser verfertigt.

 

Die Stadt Freudenthal war in früheren Jahrhunderten befestigt und mit Mauern und Wällen umgeben.

 

Die katholische Pfarrkirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut und ist ein sehenswertes Bauwerk. An der südlichen Seite befinden sich die Grüfte der gräflichen Familie von Würben, welche durch aus Stein gehauene Bildnisse de hier Ruhenden gekennzeichnet sind, die man an der Außenwand der Kirche sieht. In der heiligen Kreuzkapelle der Kirche liegt Johann Kaspar von Ampringer, von 1664 bis 1684 Hoch- und Deutschmeister, begraben. Die Pfarrkirche war während der Religionsstreitigkeiten wechselweise im Besitze der Katholiken und Protestanten.

 

Die Piaristenkirche, im sogenannten Jesuitenstile erbaut, wurde im Jahre 1752 vollendet und mit derselben ein Piaristenkollegium verbunden, welches die Leitung einer Normalschule und eines vollständigen Gymnasiums in Händen hatte; das Gymnasium wurde aufgelöst und an dessen Stelle kam 1852 eine ebenfalls unter der Leitung der Piaristen stehende Unterrealschule, welche im Jahre 1871 in ein Staaats-Untergymnasium umgewandelt, später aber aufgelassen wurde.

 

Freudenthal besitzt auch eine schöne, in neuerer Zeit erbaute protestantische Kirche in der Olmützer Vorstadt.

 

Im Jahre 1766 ließ der damalige Hoch- und Deutschmeister, Karl Alexander Herzog von Lotharingen, ein Bruder Kaiser Franz I. das Schloss Freudenthal, welches ehemals das Aussehen einer Ritterburg mit Mauern und Türmen hatte, zu seiner jetzigen Gestalt umbauen; in demselben Jahre wurde auch die Lindenallee auf den Köhlerberg angelegt und die Marienstatue am Schlossplatz errichtet, welche dann später vor der Pfarrkirche aufgestellt wurde.

 

Am Schlossplatz steht jetzt ein Denkmal Kaiser Josef II., welches am 1. Juli 1883 feierlich enthüllt wurde. Hinter dem herrschaftlichen Meierhofe liegt der im Jahr 1882 angelegte Stadtpark, rechts davon der Kinderpark.

 

Am Wege nach dem sogenannten „Tiergarten“ befindet sich die „Klippelsäule“ als Denkmal an den ersten Statthalter des hohen deutschen Ritterordens auf Freudenthal, Georg Wilhelm von Elkershausen, genannt Klippel (1625 bis 1641), welcher  1640 Freudenthal heldenmütig gegen die Schweden verteidigte und an dieser Stelle gefangen wurde, aber wieder aus der schwedischen Gefangenschaft entkam.

 

Während des 30jährigen Krieges ging in der Umgebung Freudenthals der ehemals schwungvoll betriebene Bergbau auf edle Metalle vollständig ein und nahm seit jener Zeit keinen Aufschwung mehr.

 

An dessen Stelle trat nach dem 30jährigen Kriege die Strumpfwirkerei und Tuchmacherei, später die Leinwand-, Damast- und Kunstweberei, deren Erzeugnisse einen bedeutenden Ruf besitzen und allenthalben gesucht werden.

 

Freudenthal ist die Geburtsstätte der berühmten Schauspielerin Therese Krones, geboren 7. Oktober 1801, gestorben 1830. Eine Gedenktafel an dem jetzigen Postgebäude erinnert daran.

 

Kursiver Text aus:

 

Josef Lowag: Illustrierter Führer durch das Sudetengebirge, dessen Kurorte, Heilanstalten und Sommerfrischen mit besonderer Berücksichtigung des Bades Karlsbrunn,

 

W. Krommer, Verlagsbuchhandlung, Freudenthal, 1903

 

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"Groß" wurde Freudenthal / Bruntál ursprünglich durch Bergbau von Edelmetallen. Später verlegte man sich auf die Textilproduktion. Heute genießt die Stadt einen guten Ruf als Tourismuszentrum.

"Great" became Freudenthal / Bruntál initially through mining industry of noble metals. Later one resorted to the textile production. Today the city enjoys a good reputation as a tourism center.

 

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